Die Internetseite http://www.nsaller.de von Nikolaus Saller über den KZ-Transport 1945 von Buchenwald über Nammering nach Dachau besteht schon lange und wurde auch in die Digitale Bibliothek / Langzeitarchivierung der Bayerischen Staatsbibliothek München aufgenommen. Jetzt habe ich diese Internetseite gekürzt und neu bearbeitet, damit sie auch für Tablets oder Mobiltelefone geeignet ist.

Durch viele eingebaute Links kann man zur ausführlichen Internetseite (www.nsaller.de) springen.

Der Todeszug von Dachau

Was geschah 1945  auf dem Bahnhof in Nammering?

Es war das schlimmste Nazi-Verbrechen in Niederbayern

Der Todeszug aus Buchenwald mit anfangs 5.080 Menschen war hier 5 Tage lang auf dem Bahnhof in Nammering in 54 Waggons abgestellt. Hier wurden 794 Häftlinge ermordet.

Es begann im KZ-Buchenwald.

Das Konzentrationslager Buchenwald liegt am Rande der Stadt Weimar in Thüringen. Mit dem Lager sollen politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma  verfolgt werden. Am Ende des Krieges ist Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über  56.000 Menschen sterben an Folter, medizinischen Experimenten und  durch Hunger.

Alle müssen weg! April 1945

Die Amerikaner waren schon nahe. Kein Häftling  sollte in die Hände des Feindes fallen. Die Evakuierung wird befohlen –

Nun wurden die Vorbereitungen für den Abtransport der Häftlinge hektisch vorangetrieben. Kolonnen ausgemergelter Gestalten verließen ständig das KZ Buchenwald. Ohne Frage dienten die nun beginnenden Todesmärsche und Transporte der Vernichtung der Häftlinge.

Es gab 9 Todes-Transporte vom 6. bis zum 11. April 1945. Von diesen 38.000 Gefangenen kamen 30.000 ums Leben.

Wer bei diesen Massenverschiebungen zu schwach war oder flüchten wollte, wurde erbarmungslos erschossen und blieb am Straßenrand liegen.

Start 7. April zu Fuß nach Weimar

Obwohl der Befehl nur auf 4.500 Mann lautete, wurden in der Eile 5.080 Häftlinge abgeführt. „Unser“ KZ-Transport musste zunächst 7 Kilometer zu Fuß zum Bahnhof Weimar marschieren.Es kamen dabei 71 ums Leben. Sie waren zu schwach und wurden erschossen.

Von Weimar nicht nach Flossenbürg sondern großer Umweg nach Osten

Buchenwald – Dresden – Pilsen – Deggendorf – Nammering – Passau – Pocking – München – Dachau

Vom Todeszug gibt es natürlich keine Bilder. Hier oben sieht man andere Waggons.

Bahnhof Weimar – 58 Waggons offen/geschlossen

12 Tage war der Zug schon unterwegs bis er nach Nammering kam.

BuchenwaldWeimarLeipzigDresdenKomotauPilsen
StodBayr.EisensteinZwieselDeggendorfEgingNammering

Der Todeszug hatte in Nammering 54 geschlossene und offene Waggons und einen Reisewaggon für die SS-Wachen.

Aber warum Nammering?

Der Zug fuhr wegen der näher kommenden Amerikaner nach Osten durch die Tschechslowakei und wollte über Deggendorf nach Dachau gelangen. Aber in Plattling war der Bahnhof bereits bombardiert. So wurde er über die Nebenstrecke Deggendorf – Nammering -Kalteneck umgelenkt.

Aber auch bei Witzmannsberg war das Bahngleis beschädigt. Es war eine gepanzerte Lokomotive die Böschung hinuntergestürzt, das Gleis war beschädigt. Es ging nicht weiter.

Der Zug hielt auch zunächst in Eging, weil dort die Dampfloks Wasser tanken konnten. Bei der Gelegenheit konnten auch Häftlinge Wasser bekommen. Der Zugführer hatte sogar die Absicht, zu bleiben, alle zu erschießen und die Toten in einer Kiesgrube zu vergraben.

Aber der Lehrer Vogt konnte ihn überzeugen, dass es in Nammering besser war die 54 Waggons abzustellen und auf die Weiterfahrt zu warten. Denn dort gab es mehrere  Abstellgleise für einen Steinbruch.

Bahnvorsteher Klössinger berichtet

Der damalige Bahnhofsvorsteher Heinrich Klössinger von Nammering hat  als unmittelbarer Zeitzeuge seine Beobachtungen aufgeschrieben am 25.  Mai 1945: „Ermordung von Konzentrationshäftlingen beim Bahnhof Nammering“

Am 17. April 1945 nachmittags kam ein Zug in drei Teilen aus Richtung Deggendorf nach Bahnhof Nammering. Beim Einrollen hörte ich Hilferufe und Jammern in den Waggons, wusste jedoch nicht, was eigentlich los sei. Es waren insgesamt 54 Waggons beim Bahnhof Nammering abgestellt worden.

Beim letzten Zugteil befand sich der Transportführer SS-Obersturmführer Hans Merbach. Er erklärte, dass er mit dem Transport schon 14 Tage unterwegs sei; er habe aber bloß für drei Tage Verpflegung gefasst, weil gerechnet worden war, dass er auf normalem Wege nach Dachau komme.

Wie Merbach sagte, starben täglich Leute am Hungertod und er habe schon 250 Tote in einem Waggon mitgebracht.

Das beobachtete ich selbst: Von den SS-Posten wurden Häftlinge mit Stöcken auf den Kopf geprügelt. Leichen wurden aus den Waggons geworfen, die ohne Bekleidung waren. Andere Häftlinge mussten sie sofort in den mitgeführten Leichenwagen werfen. Wenn sie aber nicht schnell genug arbeiteten, wurden sie sofort erschossen; zwei andere kamen an ihre Stelle.

Dauerndes Schießen war bei Tag zu hören und Hilferufe, Geschrei und Jammer hallten durch die dunkle Nacht.

Ich sah zwei Gefangene, begleitet von zwei Posten. Sie   trugen mit einem großen Bottich Wasser. Um sich die Arbeit zu erleichtern, versuchten   sie, einen Stock durch die Ösen des Bottichs zu stecken; dabei wurden sie bemerkt und  sofort von einem Posten durch Genickschuss getötet.

Am 19. April  wurde bei Nacht ein ganzer Waggon von 45 Häftlingen erschossen. Am nächsten Morgen  floss das Blut noch durch den Boden des Waggons. Die nur Verwundeten wurden mit Genickschuss getötet  oder mit dem Gewehrkolben erschlagen. Tag und Nacht ging das Morden weiter. Merbach sah diesen Mordtaten  zu, ohne besondere Anordnungen zu geben.

Ich verwies Merbach an den Ortsbauernführer in Renholding, damit er auch Kartoffeln für die wehrlosen Menschen bekomme. Diese wurden auch angefahren, gekocht und an die Häftlinge verteilt.

Pfarrer Johann Bergmann ruft unter Einsatz seines Lebens zu Lebensmittelspenden auf

Die Bevölkerung der Umgebung brachte mehrere Hundert Pfund Brot und 160 Zentner Kartoffeln und andere Speisen.

Im Jahr 1956 bekam Dekan Johann Bergmann in Simbach am Inn den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, umgangssprachlich auch Bundesverdienstkreuz genannt. Er bekam sie für die einmalige christliche und mutige Tat, die vielen KZ-Häftlingen vermutlich das Weiterleben ermöglichte. 

794 Leichen blieben ermordet zurück

524 Leichen wurden in der nahen Sumpfwiese vergraben und im Steinbruch verbrannte die SS nach eigenen Angaben ca. 270 Körper. So errechnet sich die Zahl von 794 Menschen, die hier zu Tode kamen.

Ein Massengrab in der Sumpfwiese

Dann wurden mehrere Waggons mit den 524  Toten an die steile Böschung des Bahndammes geschoben und die Toten wurden einfach hinuntergeworfen und im feuchten Gelände verscharrt.

Amerikaner wußten 3 Wochen nichts

Erst nach drei Wochen wurde den inzwischen angekommenen amerikanischen Soldaten dieses Massengrab bekannt. Ein amerikanischer Soldat hat es gefunden. Sie befahlen, die bereits in Verwesung übergegangenen Toten auszugraben.

Das Kreuz von Ludwig Gartner zeigten die Amerikaner besonders gern den Leuten zum Lesen. Man wollte ihnen vor Augen führen, welche Verbrechen sich in ihrer Nachbarschaft abgespielt hatten.  

Ausgraben der verwesenden Leichen 

Schaut, was Nazis angerichtet haben

Alle mussten zur „Totenwiese“ und in einer Art Prozession durch die Reihen der Toten gehen. 

Die amerikanischen Soldaten zwangen alle Bewohner der umliegenden Dörfer – auch Kinder – bei Androhung der Todesstrafe die bereits verwesten Körper anzuschauen. Sie sollten jetzt sehen, was durch die Nazis geschehen war.

Das große Entsetzen in den Gesichtern der Einheimischen wird sichtbar. Sie sind die grauenvollen Eindrücke vom bitteren Gang durch die langen Reihen verwesender Opfer ihr Leben lang nicht mehr losgeworden.

Jeder Tote bekam einen Sarg, ein Holzkreuz und ein eigenes Grab

Jeder Ermordete musste einen Holzsarg bekommen, so hatten es die Amerikaner den umliegenden Gemeinden befohlen. Und jeder bekommt ein Holzkreuz. Und es waren 524 Stück nötig!

An 5 Orten mussten Männer und Frauen die Gräber ausheben

Samstag, den 19. Mai 1945, Beerdigung aller Toten. Der Befehl der Militärregierung:

Alle Männer Ihrer Gemeinde, haben sich morgen, am Samstag, den 19., spätestens 7 Uhr früh an der Ausgrabungsstätte der Leichen in Nammering zum Einsargen der Toten einzufinden. Bei Nichterscheinen erfolgt Todesstrafe. Die Frauen zwischen 16 und 60 Jahren haben mit Fuhrwerk zum Abtransport der Ihnen bekannten Zahl der Toten nachzufolgen.

In Aicha vorm Wald 113 Bestattungen  

Neue Gräber in der Wiese in der unteren Hofmark. Alle 113 Leichen wurden 1958 exhumiert und in Flossenbürg bestattet.

In Eging 171 Bestattungen

In der Wiese im Ort. In diesem Friedhof blieben alle 171 Toten beerdigt. Es ist seither ein eigenständiger Ehrenfriedhof geblieben.  

In Fürstenstein 92 Bestattungen. 

Leider gibt es vom Graben keine weiteren Bilder. – Hinten vor der Mauer sieht man noch die weißen Kreuze für die KZ-Opfer.

In Nammering 43 Bestattungen 

Man beginnt hier mit dem Graben in der Wiese mitten im Dorf. Es gab ja damals noch keine Kirche und keinen Friedhof. Alle 43 Leichen von Nammering wurden 1958 exhumiert und in Flossenbürg bestattet.

In Renholding 104 Bestattungen 

Neue Gräber in der Ortsmitte. Die 104 Leichen wurden 1958 exhumiert und in Flossenbürg bestattet.

Wie ging es mit den KZ-Gräbern weiter?

Zum 5. Jahrestag im Jahre 1950 wurden alle 5 Friedhöfe auch bei uns gesäubert und im Beisein von Vertretern der Bayerischen Staatsregierung feierlich eingeweiht. In Nammering wurde sogar ein Stein aufgestellt. Heute ist dieser Grabstein nicht mehr vorhanden.

1958 wurden 3 Friedhöfe aufgelöst und nach Flossenbürg überführt.

 In Eging besteht der KZ-Ehrenfriedhof  weiter

Der in den letzten Jahren immer wieder ansprechend gestaltete und gepflegte Ehrenfriedhof. In ihm ruhen im grünen Mittelstreifen noch 171 tote Häftlinge. 

In Fürstenstein steht ein Grabstein-Monument für 39 Tote

Von ursprünglich 92 Toten wurden viele exhumiert. Und 33 Tote wurden nach Flossenbürg gebracht.

Aber die 39 restlichen unbekannten Leichen wurden in einem einzelnen Grab zusammengelegt. Ein ganz ansehnliches Monument erinnert an diese hier ermordeten Menschen des KZ-Transports.

Weiterfahrt über Passau Pocking Mühldorf

Endlich nach 5 Tagen war das Bahngleis bei Kalteneck repariert, wo ein Wehrmachtszug die Böschung hinuntergestürzt war.

Nun konnte die Fahrt dieses Elendszuges weitergehen. Er wurde in zwei Teilen abgefahren. Am 24. April um 12 Uhr und danach der zweite Teil um 18 Uhr. 

Nach dem fünftägigen Aufenthalt in Nammering waren die Leidensfahrt und das Sterben nicht zu Ende. In Pocking wurde ein Transportteil von amerikanischen Fliegern angegriffen. Die Bombardierung kostete über 50 Häftlingen das Leben, 13 waren sofort tot; Verwundete Gefangene wurden durch die SS ermordet.

27. April – Ankunft im Lager Dachau

Am 27. April mittags und 28. April um 1 Uhr nachts kommt der Todeszug in zwei Teilen in Dachau an.

Bertrand: „Mit völlig erstarrten Gliedern und restlos entkräftet fallen wir aus den Waggons und lassen uns, dem Verdursten nahe, auf die Knie fallen, um das schlammige Wasser der Pfützen aufzulecken. Wir müssen uns gegenseitig stützen, als wir das Lager betreten und sind dem Tod näher als dem Leben.

Die Waggons waren mit Leichen angefüllt. Viele haben nicht mehr die Kraft herauszukriechen. Da ruft ein Kamerad, der aus dem Lager gekommen war, um zu helfen: “Wer noch lebt, soll die Hand heben.”

… und 2 Tage später holen amerikanische Soldaten noch einen polnischen Häftling lebendig aus einem Waggon. Krank und völlig abgemagert konnten viele Gefangene nicht mehr selbst laufen und mussten getragen werden.

Robert Antelme: „Diejenigen aus Buchenwald sind die schwächsten. Manche, die man zum Duschen geführt hat, konnten sich unter dem Wasserstrahl nicht aufrecht halten und haben sich auf den Zementboden gelegt. Andere hoben Krankenpfleger hoch und tauchten sie in Wasserzuber, wie man es mit Kindern tut.

29. April – Amerikaner befreien Dachau

2 Tage später am 29. April 1945 rücken Soldaten der US-Armee zum KZ Dachau vor.  Sie entdecken noch bevor sie das Häftlingslager erreichen den Güterzug auf den Gleisen vor dem Tor: Es ist der „Todeszug“ aus Buchenwald. Ein grauenvoller Anblick.

Leutnant Bill Cowling schrieb in einem Brief nach Hause: „Als wir die Schienen überquerten und zurück in die Wagen schauten, bot sich uns das schrecklichste Bild, das ich jemals gesehen hatte. Die Wagen waren voll mit Leichen. Die meisten waren nackt, alle bestanden nur aus Haut und Knochen. Viele hatten Schusslöcher im Hinterkopf.“

2.310 Tote im Zug – nur 816 Überlebende

Ein Zug von Sterbenden und Toten erreichte Dachau. 2.310 tote Häftlinge und dazwischen  816 Überlebende. (Bertrand: „Die Zahlen sind bestätigt durch die Liste der SS-Lagerverwaltung und eine polnische Organisation.“)

Hans Merbach vor Gericht – Todesurteil

Merbach wurde im Buchenwald-Hauptprozess 1947 zum Tode durch den Strang verurteilt und 1949 in Landsberg hingerichtet.

Auf dem Todesmarsch zum Bahnhof Weimar wurden 71 Menschen ermordet, wobei Merbach selbst zehn Häftlinge erschossen haben soll laut Aussagen von Zeugen.

1999 Buch von Francois Bertrand

Bertrand hat eingehend über die Evakuierungstransporte geforscht.

Er schreibt: ”Nach dem Studium zahlreicher französischer, deutscher und amerikanischer Dokumente…”.

Er konnte auch in Frankreich 27 Überlebende des Transports ausfindig machen und in regelmäßigen Treffen hat er ihre Aufzeichnungen und Berichte gesammelt.

Deshalb habe ich die Zahlen von Bertrands “Der Todeszug nach Dachau” übernommen, obwohl sie in früheren Artikeln oft anders lauteten.     (Anmerkung von Nik. Saller)

Die Schreckensbilanz in Zahlen (Von Bertrand)

5.080 beim Abmarsch   

71 auf dem Weg nach Weimar erschossen.

1.090 Leichen an verschiedenen Orten

794 Leichen in Nammering

2.310 Leichen im Zug bei Ankunft in Dachau

816 Überlebende in Dachau

4.265 Tote insgesamt

Bertrand: „In die Register des Lagers Dachau werden am 28. April um 6 Uhr morgens 816 Überlebende eingetragen. Die Zahl von 2.310 in den Waggons unseres Zuges gefundenen Leichen wird durch fünf Quellen belegt.

2001 im Juni kamen 7 französische Überlebende zu uns  

Unter der Leitung von Francois Bertrand machten 7 Überlebende eine Pilgerfahrt nach Aicha. Sie wollten Dank sagen an Pfarrer Johann Bergmann, der für die Häftlinge am Bahnhof Nammering in seiner Kirche zu Lebensmittelspenden aufgerufen hatte.

Nik Saller zeigte einen Diavortrag über das Geschehen am Bahnhof. Hans Hübl überreichte Herrn Bertrand die Dokumentation.

1984 ein Mahnmal durch die Gruppe Friedensforum

40 Jahre lang gab es keinen Gedenkstein, kein Schild. 1984 errichtete das Friedensforum Fürstenstein in Eigenleistung und durch private Förderung von Pfarrer Andreas Wagner dieses Mahnmal. 

Der Bildhauer Karl Mader hat den von Franz Schuberl gestifteten Stein gestaltet.



1985 zum 40. Jahrestag Mahnmal eingeweiht

Damals lag auch noch das Bahngleis da, aber kein Bahnbetrieb mehr.

Friedensforum Fü - LogoZu dieser ersten größeren Gedenkfeier beim neu errichteten Mahnmal hat das Friedensforum öffentlich eingeladen. 

Es kamen viele aus Nammering, Fürstenstein und Umgebung. Auch der inzwischen im Ruhestand befindliche Pfarrer Wagner war dabei. Einweihung des Mahnmals durch damaligen Kaplan Martin Gastinger.

Schweigeminute – für jeden toten Häftling eine Sekunde. Das war also fast eine Viertelstunde!  Es waren lange Minuten, die uns aber nach dem Gehörten mehr sagten als langes Reden.
Das laute Ticken eines Metronoms zerhackte mit jedem Schlag die Stille.
mahn85-02
mahn85-05Ganz still war es auch unten in der Totenwiese. Besonders wenn  Alois Schmidt erzählte, wie er selbst die Toten ausgraben musste: mit bloßen Händen und der Gestank der verwesten Leichen.

Sonstige Gedenkstunden und Besuchergruppen



1994 Buch „Nie werde ich vergessen“

1994 haben Hans Hübl und Nikolaus Saller als “Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport 1945” mit finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Fürstenstein das Buch  herausgegeben.

Die Dokumentation ist längst vergriffen, obwohl sie  4 mal nachgedruckt wurde. Sie ist auch vom Inhalt her nicht mehr aktuell, denn Francois Bertrand hat ein Standardwerk über den „Todeszug von Dachau“ 1999 geschrieben.

Überlebende KZ-Häftlinge haben berichtet (siehe www.nsaller.de)

Lange Jahre hat man allgemein die Verbrechen der Nazis verdrängt. Die vom Krieg heimgekehrten Väter und Onkel haben kaum etwas erzählen wollen. Auch in den Schulen hat man  Jahre lang nichts davon gehört.

Auch die meisten Überlebenden schwiegen. So sind 1994 bei Erscheinen des Buches “Nie werde ich vergessen” auch nur 3 Häftlingsberichte aufgenommen, die bei nsaller.de zu lesen sind:

  • Robert Darsonville, ehemaliger französischer Häftling 
  • Lazarro Levi,  italienischer Jude schrieb 1945 Aussagen von 8 anderen auf
  • Gleb Rahr, russischer Abstammung schrieb für uns seine Erinnerungen auf.


1995 Überlebender Wladimir Uwarow aus Moskau kommt

Der 75jährige Wladimir Uwarow aus Moskau hat 1945 den Transport von Buchenwald nach Dachau überlebt. Er hat unser Buch gelesen, so kam er zu uns. Er wollte nach 50 Jahren seinen Leidensweg noch einmal begehen.

Bei seiner „Fahrt durch die Hölle“   verbrachte der 75jährige 21 Tage in einem dunklen, verschlossenen Eisenbahnwaggon; eingepfercht ohne Nahrung zwischen toten und kranken Leidensgefährten . 

1996 haben wir Wladimir in Moskau besucht. Wir legten am Holocaust Memorial Blumen nieder.



1995 große Gedenkfeier in Nammering mit dem Überlebenden Wladimir Uwarow

Das im Jahr zuvor erschienene Buch “Nie werde ich vergessen” war weit verbreitet und sehr anerkannt worden, dass diesmal neben der Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport auch die Gemeinde Fürstenstein und der Pfarrgemeinderat Nammering zu einem gemeinsamen Gedenken eingeladen haben.

Eine Handvoll Heimaterde

Ein sehr bewegendes Zeichen von Wladimir Uwarow aus Moskau: er streut aus einer Plastiktüte eine Handvoll Erde aus seiner Heimat am Mahnmal aus. Das tat er für seine russischen Freunde, die in seinem Waggon waren. Alle sind tot!

Er wollte  mit der Erde aus Moskau seine Freunde hier symbolisch beerdigen. Das gleiche hat er schon in Buchenwald und danach in Dachau gemacht.

1995 Gedenkfeier mit Ansprachen  und  Gebetsrufen der 4 Religionen

Nik Saller konnte einen ganz besonderen Gast begrüßen:  Wladimir Uwarow. Er hatte eine Rede vorbereitet, die von Hans Hübl auf deutsch übersetzt wurde. Er sagte auch: “Heute bin ich mit schwerem Herzen froh, hier zu sein. Sogar Freunde habe ich gefunden. Spasibo, Dankeschön.”

v.l. Bürgermeister Josef Wax, Wladimir Uwarow aus Moskau, Landrat Hanns Dorfner, der französiche Generalkonsul André Cira, Staatsminister Erwin Huber, MdL Konrad Kobler, Hilde Hübl, Israel Schwierz jüdische Gemeinde Straubing, Hans Hübl,  Mustafa Sinanovic muslimische Gemeinde Passau 



2005 Gedenkfeier zum 60. Jahrestag

1. Aufbau und Vorbereitung der Gedenkfeier:
Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport (Hübl / Saller)

2. Ansprachen  zur Gedenkfeier zum 60. Jahrestag

Herr Dr. Jerzy Fajer sprach über seine Erinnerungen:

“Ja, ja selbstverständlich das war Ende des Krieges, Hunger war überall. Die deutschen Soldaten haben gehungert, nur ich möchte sagen, die Häftlinge – das war Absicht, dass wir hungern, ja das war Absicht, dass wir hungern.



2015 Gedenkfeier 70 Jahre

Das neue Gleis der Erinnerung beschreibt ausführlich und in originalen Bildern die Grausamkeiten des KZ-Transports und auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.   

Ökumenische Andacht am Mahnmal

Ansprachen, Rede des Überlebenden Pavel Kohn

Der in Prag gebürtige Jude Pavel Kohn stellte zu Beginn seines ergreifenden Vortrags klar, dass er nicht Mitleid erwecken wolle, sondern darüber sprechen, „was Menschen anderen Menschen antun können“

Zum Abschluss wird von allen Teilnehmenden für jeden der 794 Toten eine Kerze angezündet und um den Stein herum abgelegt.



2020 Gedenkfeier 75 Jahre

PNP Interview mit dem Überlebenden Ben Lesser

Dieses Interview von Nikolaus Saller mit dem Überlebenden Ben Lesser war für die Gedenkfeier 75 Jahre KZ-Transport in Nammering geplant. Wegen den Pandemie wurde die Veranstaltung abgesagt, aber das Interview ist in der PNP als ganze Seite erschienen.

Weiter unten ist dieser Text noch einmal eingetragen. Ein kurzer Einblick in den Weg von Ben Lesser durch die 6 Jahre Holocaust.

Von Nikolaus Saller

Nammering.   Auch die geplante Gedenkfeier anlässlich des 75. Jahrestages der Ermordung von 794 KZ-Häftlingen am ehemaligen Bahnhofsgelände in Nammering muss leider abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben werden. Dabei sollte die Gedenkfeier heuer etwas ganz Besonderes werden. Nikolaus Saller von der Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport 1945 der Gemeinde Fürstenstein hatte einen der letzten Überlebenden im Internet gefunden: Herrn Ben Lesser aus Las Vegas USA. Der 91jährige polnische Jude hatte zusammen mit seiner Tochter Gail Lesser-Gerber gerne zugesagt zu kommen und sie versprachen jetzt auch, dass sie nächstes Jahr teilnehmen wollen.

Ben Lesser und seine Tochter Gail im Januar 2020 bei der Gedenkfeier 75 Jahre Befreiung von KZ Auschwitz.

Ben Lesser hat achtmal durch unsägliches Glück überlebt: ein gefürchtetes Ghetto, den 3tägigen Todeszug ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das Lager Aschwitz selbst, von dort den mörderischen 700 km langen Todesmarsch nach Buchenwald und von da zum Schluss den Todeszug über Nammering nach Dachau. Das folgende Interview hatten Saller für die Veranstaltung in Nammering als Video-Präsentation vorbereitet.

Sehr geehrter Herr Lesser, es ist uns eine ganz große Ehre und Freude, dass Sie mit Ihrer Tochter als einer der letzten Überlebenden dieses Todeszuges Buchenwald über Nammering nach Dachau zu uns kommen wollten.

Gleich eine Frage: Herr Lesser, Sie haben Ihren Töchtern lange Jahre nichts von ihren schrecklichen Erlebnissen erzählt. Seit wann und warum gehen Sie jetzt immer in die Schulen und zu den jungen Leuten um Vorträge zu halten?

Ungefähr 1996 erfuhr der Lehrer meines Enkels, dass ich ein Holocaust-Überlebender bin. Von da weg sagte ich mir: „Wenn du nicht willst, dass die Vergangenheit sich selbst wiederholt und es wieder einen anderen Holocaust auf der Welt gibt, dann musst du darüber reden.  Denn die Nazis begannen nicht mit dem Töten, es begann mit dem Hass. Auf einmal wurden Liebe und Respekt ausgerottet durch Hass. Dann war es leicht zu töten. Ich habe mein Leben dem gewidmet den Hass zu beenden. Und das sich Erinnern tut auch mir weh und dann kann ich nicht mehr schlafen.“

 Wir möchten Ihren unsäglichen Leidensweg einer jüdischen Familie durch die 6 Jahre Holocaust betrachten. Wie begann er in Krakau?

Meine Eltern und wir 5 Kinder wohnten in Krakau. Ich war 11 Jahre alt. 1939 kamen die Deutschen um 5 Uhr früh in unser Haus. Sie steckten alle Wertsachen in Säcke und rissen sogar die Ringe von den Fingern meiner Mutter und Schwester.  Unsere Nachbarn waren auch Juden und hatten ein kleines Baby mit 8 Wochen. Weil es ständig laut schrie, nahm ein Nazi das Kind an den Beinen und schleuderte es mit dem Kopf gegen den Türstock, es war sofort tot.

Sie erzählen in Ihren Videos im Internet und in Ihrem Buch wie Sie aus Krakau wegziehen mussten.

Alle Juden wurden enteignet, mussten ihre Häuser verlassen. Sie wurden in das neu gebaute Ghetto in Krakau gesperrt. Weil dort zu wenig Platz war, durften wir aufs Land umsiedeln nach Niepolomice. Aus dem Ghetto von Krakau kamen später alle in die Vernichtungslager. Aber wir hatten Glück in Niepolomice zu überleben.

Dort in Niepolomice wurden Sie von einem Freund gewarnt, dass in dieser Nacht noch Schreckliches geschehen wird.

Ja, wir konnten in der Dunkelheit gerade noch rechtzeitig als Bauern verkleidet wegziehen. Auch dort wurden am nächsten Tag alle Juden in den Wald geführt und erschossen. Die Warnung durch den Freund hat uns das Leben gerettet.

Sie mussten dann in die ganz europaweit schon berüchtigte Stadt Bochnia ins Ghetto ziehen. Was war da?

In Bochnia hatten die Nazis alle jüdischen Kinder aus dem Schlaf geholt und mit Lastwagen weggefahren. Die hinterherlaufenden schreienden Eltern wurden mit Maschinengewehren getötet. Dort im Wald wurden die Kinder erschossen und sogar die nur verletzten, noch lebenden Kleinen in einer großen Grube mit Erde zugedeckt.

Ein Schrank hat Sie gerettet. Hier in Bochnia mussten ihre Eltern und Sie mit dem kleinen Bruder in einem einzigen leeren Raum mit zusammen 12 Personen leben. Nur ein Schrank war im Zimmer. Was war mit ihm?

 Weil das mit den Kindern bekannt war, haben sich alle Leute im Ghetto Bunker und Verstecke in der Erde gebaut. In einer Nacht kam dann eine große Horde von Nazis und holte die Juden aus den Häusern und Verstecken. Diese wurden auf der Stelle erschossen und später auf dem Sadtplatz verbrannt.

Uns aber hatte der Schrank gerettet, weil hinter ihm ein Versteck im Freien war, das man von außen nicht sah. Wir 12 Personen mussten die ganze Nacht in der Kälte draußen ausharren, ohne einen Ton zu geben. Aber wir hatten wieder Glück zu überleben.

Anders war die wirklich abenteuerliche Flucht mit einem Kohlen-LKW. Der polnische Fahrer hatte unter den Kohlen einen doppelten Boden für 10 Flüchtlinge eingebaut. Von Bochnia weg brachte er euch Kinder glücklich an die Grenze von Ungarn. Aber eure Eltern kamen nicht nach Ungarn. Was war passiert?

Wir Kinder wurden an der Grenze von unseren Verwandten nach Munkacs im noch freien Ungarn geführt. Das war die Heimat unserer Mutter.  Aber die Eltern kamen auch nach 2 Monaten nicht, es war was Schlimmes passiert. Ein Pole hatte gesehen, wie die Flüchtlinge in den LKW hineinkrochen und hat es der SS gemeldet. Er bekam dafür üblicherweise auch Geld. Die Deutschen holten alle heraus und erschossen auch den polnischen Fahrer. So kamen unsere Eltern ums Leben.

In Ungarn lebten Sie bei Ihrem Onkel in ungewohntem Frieden, aber nicht lange. Warum?

Im Frühjahr 1944 marschierten die Deutschen in Ungarn ein und es begann die Endlösung der 750 000 Juden. Wir wurden alle zu  Viehwaggons geführt. Drei unmenschliche Tage folgten im Todeszug nach Auswitz-Birkenau. Dort passierte etwas bei der bekannten Selektion, was mich heute noch schmerzt. Mein kleiner Bruder und meine Schwester wurden mir einfach von der Hand gerissen. Ich sah sie nicht wieder.

Ihr Onkel, Ihr Cousin und Sie wurden von Dr. Mengele zu einem Arbeitskommando im Steinbruch eingeteilt. Eines Tages mussten Sie nach der Arbeit stundenlang in Reihen stehen bleiben. Es wurde immer gezählt und gezählt. Warum?

Es waren drei Häftlinge geflohen und daraus folgte wie immer eine bestialische Bestrafung für alle. Der Kommandant verlangte, dass jeder 10. nach vorne tritt und 25 Stockschläge bekommen muss. Da merkte ich, dass es genau meinen Onkel treffen würde. Und ich tauschte schnell die Plätze mit ihm, denn in seinem Alter würde er es sicher nicht überstehen. Und sie nahmen mich als zehnten mit zu einem Holzbock.

Das erinnert uns an Pater Maximilian Kolbe, der sich auch für einen Familienvater geopfert hat.  

Die Bestrafung an diesem Holzbock war extrem. Ich musste sehr nahe am Sägebock auf Zehenspitzen stehen, die Knie beugen und schließlich meinen Körper über den Sägebock wölben ohne jemals die Querstange zu berühren. Und laut bis 25 zählen. Die drei Häftlinge vor mir machten Fehler und wurden mit Kopfschuss getötet.  

Und wie schafften Sie das?

Ich sagte selbst zu mir: „Ben wenn du überleben willst, musst du alles tun, was sie sagen. Oder es ist das Ende!“ Es waren höllische Schläge, das Blut rann über meine Waden. Aber ich zählte laut bis 25 und schaffte es. Wochenlang konnte ich nicht mehr auf dem Rücken liegen.

Sie haben also überlebt, niemand hatte damit gerechnet. Eine nächste Prüfung auf Leben oder Tod kam dann, als Sie schon den russischen Kanendonner vor den Toren von Auschwitz gehört haben. Was geschah am nächsten Morgen?

Durch die Lautsprecher wurde befohlen, dass alle Häftlinge sofort hinausmarschieren mussten, das Lager wurde evakuiert. Es war wirklich ein Todesmarsch – ohne Essen – drei oder vier Wochen lang – 700 km weit, wer nicht mehr laufen konnte, wurde erschossen. Die Leichen säumten die Straßenränder. Ich schleppte mich und meinen Cousin bis Buchenwald durch.

Sie sagen in Ihren Videos im Internet, dass Sie in diesem KZ Buchenwald duschen durften, etwas zu essen und neue Bekleidung bekamen. Aber dieses Wohlergehen dauerte nur einen Tag lang. Warum?

Von Westen her waren die Amerikaner so nahe angerückt, dass auch dieses Lager evakuiert werden musste, damit kein Häftling in die Hände des Feindes fallen sollte. Wir wurden durch das Tor hinausgeführt zu einem langen Güterzug, der später auch Todeszug von Dachau genannt wurde. Zunächst waren wir froh, dass wir nicht mehr laufen mussten. Wir wurden zu 80 Mann abgezählt und mussten in einen geschlossenen Waggon hinaufklettern. Ich half meinem Cousin hinauf und wir gingen ans Ende des Waggons.

Und das war eigentlich keine gute Idee, weil plötzlich das Tor aufging und es wurden 80 Stück Brotlaibe hereingeworfen.

Ja, und die vorderen Männer schnappten sich drei oder mehr Brote, und wir da hinten hatten nichts. Ich musste also über die Köpfe der anderen Häftlinge hinweg mich nach vorne durchkämpfen. Dabei stach mich einer mit einem Taschenmesser unter das Kinn, so dass ich Blut im Mund spürte. Ich machte weiter und entriss ein Brot von einem, der 5 Brote hatte. Die Wunde verband ich mit einem Streifen Stoff aus meiner Kleidung. Es war wirklich ein Wunder, dass ich keine Infektion bekam. 

Das Brot war die einzige Nahrung und Sie haben in den 3 langen Wochen in diesem Todeszug durch einen Trick überlebt.

Ich habe jeden Tag nur ein Stück in der Größe eines halben Eies vom Brot gebrochen, auch mein Cousin bekam nur eines. Wir mussten es heimlich essen, damit uns niemand umbringen würde es zu bekommen. Denn einige Gefangene wurden völlig verrückt und töteten diejenigen, die schwächer waren, es gab sogar Kannibalismus.

Sie haben gesagt, dass Sie von Nammering nichts wussten. Wir können uns das nur so vorstellen, dass Sie in einem geschlossenen Waggon waren und sogar ohne Kapo oder SS-Mann, die nicht einmal die Toten hinausschaffen ließen.

Die unvorstellbaren Bedingungen in den Viehwaggons verschlechterten sich nur weiter, bis fast jeder tot war. Wir schienen in einem Meer von Gestank des Todes zu schweben, umgeben von steifen und zerfallenden Leichen.  Durch ein Wunder, so schwach ich auch war, gelang es mir entweder, stark genug auszusehen, um die anderen von uns fernzuhalten, oder Isaac und ich waren einfach zu geschwächt, um sich mit uns zu beschäftigen. 

Dass Sie vom Todesmarsch von Auschwitz her so geschwächt waren, hat Ihnen vielleicht auch das Leben gerettet. Denn in Nammering mussten die Häftlinge die Toten aus den Waggons holen und zu den Leichenbergen am Ende des Zuges schleppen. Dazu waren Sie wirklich nicht mehr in der Lage.

Was war in Nammering alles geschehen? Die Häftlinge wurden wegen jeder Kleinigkeit erschlagen und ermordet. Hier ein Teil vom Augenzeugenbericht von Heinrich Klössinger, dem damaligen Bahnbediensteten:

„Ein Häftling wurde beim Austreten von   einem Posten erschossen, ohne dass irgendein Anlass vorgelegen wäre. Am 19. April wurde bei Nacht ein ganzer Waggon von 45 Häftlingen erschossen. Am nächsten Morgen floss das Blut noch durch den Boden des Waggons. Die nur Verwundeten wurden mit Genickschuss getötet oder mit dem Gewehrkolben erschlagen. Tag und Nacht ging das Morden weiter, Geschrei und Gejammer war bei Tag und Nacht zu hören.“

Die Zahl der Toten belief sich schließlich auf ungefähr 800 Mann. Sie wurden in einer Sumpfwiese begraben und erst 3 Wochen, nachdem die Amerikaner da waren, mit bloßen Händen ausgegraben. Die ganze Bevölkerung musste an den Leichen vorbeigehen und sie dann in 5 Friedhöfen der Gegend bestatten.

Nach genau 21 Tagen kamen Sie endlich an einem Ort namens Dachau in diesem bekannten Todeszug an. 

Als die Türen zu unseren Viehwaggons in Dachau endlich geöffnet wurden, wurde uns erneut brutal befohlen, in das Lager zu gehen. Nur eine Handvoll Skelette, darunter mein Cousin und ich, schafften es, durch die Leichen zu klettern und den Waggon zu verlassen, hinaus aus dieser Hölle. Aber eine weitere Hölle erwartete uns im Inneren des Lagers, ein Berg von Skeletten. Wir wurden angewiesen, uns auf den Boden zu legen. Wir waren die wandelnden Toten.  Wir konnten kaum atmen, geschweige denn lächeln und winken, als wir unsere Befreier, die amerikanischen Soldaten wahrnehmen konnten. 

Hier in Dachau ist dann Ihr Cousin Isaak in Ihren Armen gestorben. Sie hatten beide von einem amerikanischen Soldaten ein Dosenfleisch bekommen.

Natürlich meinten diese Soldaten es gut uns dieses Essen zu geben, aber die Nachwirkungen des Essens waren schrecklich.  Und tödlich.  Wir waren so unterernährt, dass wir, obwohl wir es besser wussten, einen großen Fehler gemacht haben: Wir haben etwas davon gegessen.

Zum großen Entsetzen wurde aber mein zerbrechlicher Cousin Isaac, der schon am Rande des Todes stand, bald gewaltsam krank. Ich hielt ich ihn fest und sagte ihm leise, er solle durchhalten, weil wir endlich frei wären. Aber es war vorbei.  Am Morgen, als sie mir seinen Körper wegnahmen, versuchte ich mich verzweifelt an ihm festzuhalten, um mit ihm zu gehen. 

 Sie selber sind von da weg für 2 Monaten in ein Koma gefallen. Wo wurden Sie wieder gesund?

Ich weiß nur, dass ich mich, als ich wieder zu Bewusstsein kam, in einem bequemen Krankenhausbett in einem wunderschönen bayerischen Kloster namens St. Ottilien befand.  Die Mönche hatten das Kloster für die medizinische Versorgung der Holocaust-Überlebenden freigegeben. Dank der medizinischen Versorgung und all dem Essen begann ich mich zu erholen. Und als ich zum ersten Mal seit vielen Jahren die Güte der Menschen erlebte, hatte ich ein wenig Hoffnung, dass das Leben lebenswert sein könnte.  Und dass es sogar einen Gott geben könnte.

Die Texte stammen aus dem Buch von Ben Lesser „Living A Life That Matters: from Nazi Nightmare to American Dream“, 2012 (Englisch) 

Internetseite von Ben Lesser:  http://www.zachorfoundation.org

Internetseite von Nikolaus Saller: http://www.todeszugdachau.com

Diese Präsentation und eine noch geplante Broschüre „Ben Lesser. Sein Weg durch den Holocaust“ zu erhalten bei nikolaus.saller (at) web.de

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Nikolaus Saller hat auch eine Präsentation für die Gedenkfeier vorbereitet, die mit diesem Link zu erreichen ist:

„Ben Lesser: Sein Weg durch den Holocaust“

http://www.bensweg.com



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